Die sechs Geschmacksrichtungen im Ayurveda (Teil 2)

Im Ayurveda gibt es sechs Geschmacksrichtungen: süß, sauer, salzig, bitter, scharf, zusammenziehend/herb. Diese sind sowohl in allen Gewürzen als auch in jedem Nahrungsmittel präsent.

Im zweiten Teil des Posts geht es um die Geschmacksrichtungen scharf, bitter und zusammenziehend.

Hier siehst du ein Beispiel, wie ich die verschiedenen Geschmacksrichtungen in meinem Rezept für den süßen Porridge mit Zucchini und Rosmarin eingebracht habe. Vorherrschend sind im Allgemeinen die Zutaten süß. Die anderen Geschmacksrichtungen habe ich hier insbesondere durch die Gewürze ergänzt. Ausgeglichener Geschmack der sechs Geschmacksrichtugen bedeutet also nicht, dass jeder Geschmack in gleichem Anteil vorhanden ist, sondern lediglich dass alle vertreten sind.

Der scharfe Geschmack

LebensmittelGewürze
Zwiebeln
Senf
Meerettich, Wasabi
Ingwer
Chilischoten
Brunnenkresse
Petersilie
Bohnenkraut, Senfsamen
Anis, Dill, Fechnel
Kardamom, Kurkuma
Knoblauch, Ingwer
Koriander, Kreuzkümmel
Nelke, Muskatnuss
Paprika, Rosmarin
Salbei, Majoran
Basilikum, Oregano
Pfeffer, Zimt

Der scharfe Geschmack wirkt im Körper erwärmend. Gerade im Winter wird moderate Schärfe als sehr angenehm erlebt, denn sie wirkt anregend auf den Stoffwechsel, erhöht die Blutzirkulation und wärmt somit von Innen. Gleichzeitig befeuert die Geschmacksrichtung scharf die Libido, wirkt auch sonst anregend und hilft, Schleim bei Erkältungen zu lösen.

Schärfe im Übermaß kann wiederum zu Durchfall, Sodbrennen und Aggressivität führen. Also lass im Sommer, wenn es ohnehin schon heiß ist, die Chili lieber weg!

Ingwer hat eine meist gut verträgliche Schärfe und du kannst damit deinen Stoffwechsel auf Trab bringen. Das ist genau das richtige bei Frühjahrsmüdigkeit. Probiere doch mal ein heißes Ingwerwasser auf nüchternen Magen! Dafür einfach ein paar scheiben frischen Ingwer mit heißem Wasser übergießen und warm genießen.

Der scharfe Geschmack erhöht Vata und Pitta und verrringert Kapha.

Tipp: Ein wenig Ingwer oder eine Prise Pfeffer bringt eine moderate Schärfe in dein Essen

Der scharfe Geschmack regt die Blutzirkulation an und wärmt dich so von innen. Das ist in der kalten Jahreszeit ist das also genau das Richtige.

Der bittere Geschmack

NahrungsmittelGewürze
Gemüse wie Rosenkohl, Grünkohl
Blattgemüse wie Chicoree,
Radicchio, Endivie
Grüne Kräuter
Kaffee
Dill
Kurkuma
Knoblauch
Koriander
Kreuzkümmel
Rosmarin
Salbei

Bitter ist ein Geschmack, der vielen Leuten nicht so gut schmeckt. Dazu gehörte auch ich selbstlange Zeit. Viele Gemüsesorten wie Grünkohl und Chicorée, die eigentlich viele Bitterstoffe enthalten, sind mittlerweile so gezüchtet, dass sie davon leider nur noch wenig haben.

Das ist sehr schade, denn der bittere Geschmack hat eine sehr wichtige Wirkung für den Körper. Er wirkt entgiftend, tötet Krankheitserreger ab und regt die Verdauung an. Sogar bei Hautprobleme kann die bittere Geschmacksrichtung helfen. Bitter schmeckt allein genommen natürlich nicht so toll, aber in der Kombination mit anderen Geschmacksrichtungen, unterstützt der bittere Geschmack diese und verstärkt sie scheinbar.

Ich habe schon öfter gehört, dass Bittertropfen den Appetit zügeln sollen. Ich selbst habe das noch nicht ausprobiert. Aber manchmal, wenn mir mein Essen so gut schmeckt, dass ich kaum aufhören kann, esse ich hinterher etwas Petersilie oder Basilikum pur. Tatsächlich mag das sehr gerne und es hilft mir, um die Mahlzeit abzuschließen. Ein Stückchen bittere Schokolade als Dessert mag ich auch sehr gerne und hat für mich eine ähnliche Funktion.

Der scharfe Geschmack erhöht Vata und verrringert Pitta und Kapha.

Tipp: Streue immer etwas frische, grüne Kräuter über deine Mahlzeit.

Grüne Kräuter enthalten Eisen und Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium und Kalium so wie auch viele Vitamine und Folsäure. Damit reicherst du auf leichte Art dein Essen mit jeder Menge wichtiger Spurenelemente an.

Der zusammenziehende Geschmack

NahrungsmittelGewürze
Granatapfel
Unreife Banane
Rosenblüten (-wasser)
Hülsenfrüchte wie Kichererbsen,
Linsen, Bohnen, Tofu
Brennessel
Kurkuma
Knoblauch
Salbei
Zimt

Hast du schon mal von der zusammenziehenden Geschmacksrichtung gehört? Sie wird auch als herb bzw. adstringierend bezeichnet. Ich mag das Wort zusammenziehend am liebsten, weil es sehr gut beschreibt, wie sich das Essen dieses Geschmacks in deinem Mund anfühlt. Hast du schon mal eine unreife Banane gegessen? Kennst du danach dieses stumpfe, trockene Gefühl im Mund? Genau das ist mit zusammenziehend gemeint.

Der herbe Geschmack wirkt im Körper blutstillend, hilft bei Durchfall und unterstützt die Heilung von Geschwüren. Auch der herbe Geschmack ist wie der bittere eher etwas unangenehm. Er sollte aber dennoch in deiner Ernährung nicht fehlen, denn auch seine Funktion ist essentiell für deinen Körper.

Im Sommer streue ich daher sehr gerne Granatapfel über meinen Porridge oder über einen herzhaften Salat und ihm damit eine herb-süße Note zu verleihen. Meine liebsten Gewürze Zimt und Kurkuma und beide enthalten die Geschmacksrichtung zusammenziehend. Daher finde ich es gar nicht schwer den Geschmack in meine Gerichte zu integrieren.

Der scharfe Geschmack erhöht Vata und verrringert Pitta und Kapha.

Tipp: Gib einfach eine Prise Kurkuma beim Kochen deiner Mahlzeit hinzu.

Kurkuma ist ein wahrer Held aus dem Gewürzregal und ein besonders wirksames Heilkraut. Er gibt deinem Essen eine tolle gelbe Farbe, stärkt dein Immunsystem und ist entzündungshemmend. In Kombination mit Pfeffer verstärkt sich die Wirkung von dem enthaltenen Wirkstoff Curcumin um ein Vielfaches und hat so eine viel stärkere Wirkung. Also benutze beide Gewürze immer in Kombination miteinander!

Wie wäre es einmal mit gelbem Reis zum Essen? Gib einfach etwas Kurkuma in das Kochwasser deines Reis. Du kannst Kurkuma auch mit süßen Speisen kombinieren. Wie wäre es also mal mit meinem goldenen Hirse-Porridge mit Karotte?

Hinterlasse gerne einen Kommentar wie dir mein Post und die Tipps zu den Geschmacksrichtungen gefallen. Hast du noch andere Ideen für die Umsetzung?

Quellenangabe:

Vasant Lad „Selbstheilung mit Ayurveda“

Dr. Vasant Lad, Dr. David Frawley „Die Ayurveda Pflanzenheilkunde“

Sivananda Yoga Vedanta Zentrum „Gesund und entspannt mit Ayurveda“

Kerstin Rosenberg „Die Ayurveda-Ernähung“

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